

Die Ökostadt des Ruhrgebiets ist perfekt. Zumindest auf dem Papier und aus der Sicht der Solarstadt Gelsenkirchen und der Wasserstoffstadt Herten, die gemeinsam die Zukunftsstadt „Innovation City Ruhr“ entwarfen, ein Projekt mit weltweitem Modellcharakter und dem Ziel, den Energiebedarf und den Kohlendioxyd-Ausstoß um mehr als die Hälfte zu senken. Zu dem Wettbewerb hatte der Initiativkreis Ruhr die 53 Revierkommunen aufgerufen, mit der Auflage, bis 2020 ein interkommunal integriertes Handlungskonzept für die Schaffung einer Energiesparstadt auf die Beine zu stellen. Dem Gewinner winken rund 2,5 Milliarden an Fördergelder und privaten Investitionen. Im März 2010 hatten die beiden Energiestädte Gelsenkirchen und Herten ihre Absicht zur gemeinsamen Bewerbung erklärt. Sie wurde nun im Hertener Wasserstoff-Kompetenz-Zentrum auf dem ehemaligen Zechengelände Ewald von beiden Stadtoberhäuptern unterschrieben und in Richtung Essen auf den Weg gebracht.
Bei der Auftaktpräsentation auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Lippe in Scholven hatten Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und Hertens Bürgermeister Dr. Uli Paetzel Ende März die ersten Schritte zu ihrem gemeinsamen Konzept erklärt und auf die seit Jahren bestehende produktive interkommunale Zusammenarbeit beider Städte hingewiesen. „Wenn wir unsere jeweiligen Kompetenzen gemeinsam in die Waagschale werfen, haben wir mehr zu bieten“, hieß es damals. Die Formel: Solarstadt Gelsenkirchen + Wasserstoffstadt Herten = Innovation City Ruhr
„Mit der städteübergreifenden Bewerbung wollen wir auch ein Zeichen für die künftige Stadtentwicklung im Ruhrgebiet setzen, denn eine gemeinsame Entwicklungsstrategie durch Kooperation und regionale Vernetzung ist die einzig sinnvolle Antwort auf die Herausforderung unserer verdichteten Siedlungsräume“, erklärte Frank Baranowski die Intention vor dem Hintergrund einer schon bestehenden erfolgreichen Zusammenarbeit beider Städte.
Die Pläne für die Ökostadt Innovation City Ruhr greifen laut Verwaltung teils auf vorbereitete Projekte, aber auch auf neue Ideen zurück. Konkret geplant ist auf dem ehemaligen Bergwerk Westerholt im Gelsenkirchener Stadtteil Scholven u.a.:
1. Der Ausbau von Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen rund um technologische Innovationen in sanierten Bestandsgebäuden des ehemaligen Bergwerks.
2. Die Umwandlung einer Fläche der ehemaligen Kokerei Hassel in einen Stadtteilpark.
3. Die energetische Sanierung von Gartenstadtsiedlungen im Zuge anstehender Privatisierungen.
4. Die Einrichtung von Neubausiedlungen als Pilotsiedlung für dezentrale Energieversorgung und Aktivhauskonzepte.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bereich Energieerzeugung und -verteilung. Hier setzt Gelsenkirchen auf den Biomassepark Hugo, auf Windkraft auf der Halde Scholven, wo demnächst zwei Windkrafträder gebaut werden sollen, und auf die Potenzialstudie Energie aus Abwasser.
„Wir erfüllen die Anforderungen der Wettbewerbsausschreibung geradezu idealtypisch bezüglich der Bevölkerungsstruktur, Polyzentralität, Bausubstanz, Industriebrachen, Wohnsiedlungen, Frei- und Restflächen“, heißt es aus der Verwaltung. „Wir haben gelernt, den Wandel zu gestalten und wir stehen mit unserer integrierten Klimaschutzstrategie als Teil der Stadtentwicklung nicht am Anfang. Mit einer ganzen Reihe modellhafter Projekte können wir auf langjährige Erfahrungen aufbauen. Mit Innovationskernen wie dem Wissenschaftspark Gelsenkirchen und dem Wasserstoff-Kompetenzzentrum H2Herten haben wir uns bereits als Zentren anwendungsorientierter Zukunftsenergien profiliert. Und diese Pilotprojekte sind die Grundlage für die Entwicklung zur Modellregion Innovation City Ruhr. Wir bauen ein typisches Stück Ruhrgebiet“, erklärten Frank Baranowski und Uli Paetzel in ihrem Vorwort zur Bewerbung.
Quelle: H. Henkel, www.gelsenkirchen.de