

Schlummernde Potenziale auf den Dächern des Ruhrgebiets
Im Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck geht man schon seit Jahren mit gutem Beispiel voran: An der Bramkampstraße entstand noch vor der Jahrtausendwende die erste Solarsiedlung in Nordrhein-Westfalen. Auf den Dächern der 75 Solarhäuser wurden Sonnenkollektoren zur Wassererhitzung und Photozellen zur Stromerzeugung gebaut. Ein Teil der Häuser erhielt je fünf Quadratmeter dachintegrierte Solarkollektoren und Photovoltaik-Elemente mit je 1,5 Kilowatt-Peak Leistung. Ein anderer Teil wurde mit fünf Quadratmeter Solarkollektoren als Verschattungselemente über den Südfenstern ausgestattet. Die Warmwasserversorgung wird zu über 60 Prozent und die Stromversorgung zu 30 bis über 50 Prozent durch Sonnenenergie erzeugt. Die überwiegend im Winter benötigte zusätzliche Heizenergie wird durch Erdgas in Brennwertkesseln erzeugt. Die Bewohner der Siedlung mit dem bezeichnenden Namen "Sonnenhof" haben allein beim Wäschewaschen eine Stromersparnis von 35 Prozent, und der Ausstoß an Kohlendioxid soll um 55 Prozent niedriger sein, als in herkömmlichen Wohngebieten.
Inzwischen ist Gelsenkirchen zur Solarstadt avanciert und mit Vorzeigeobjekten wie dem Solarsegel Arena und den Anlagen auf den Dächern der Gelsenwasser Verwaltung und des Bogestra Betriebshofes Vorbild und Anreiz für andere Unternehmen im Revier. Im April wurde das Solarkraftwerk 'Schalker Verein' in Betrieb genommen, eine Anlage, die auf dem Erz- und Kohlebunker des ehemaligen Stahlwerks errichtet wurde. Das Solarkraftwerk erzeugt in der aktuellen Ausbaustufe mit einer Spitzenleistung von 355 kWp jährlich ca. 320.000 kWh Strom. Nicht ganz zu Unrecht also prangt über dem Ausgang des Gelsenkirchener Hauptbahnhofes der Gruß „Willkommen in der Solarstadt Gelsenkirchen!" Ein paar Schritte weiter, auf dem Bahnhofsvorplatz, wurde 2006 in der WM-Stadt eine Photovoltaikanlage mit 10,5 kWp Leistung in Betrieb genommen und für das neue Wahrzeichen der Stadt erklärt. Wolfgang Jung, Geschäftsführer des Fördervereins Solarstadt Gelsenkirchen betont: „Wenn wir solar sagen, meinen wir nicht nur Photovoltaik und Solarthermie. Wir denken dabei an die ganze Bandbreite der neuen und erneuerbaren Energien und an Energieeffizienz. Deswegen auch der Untertitel 'Stadt der Zukunftsenergien':' Außerdem gehe es um Jobs, sagt Jung. In einer Stadt mit 273.000 Einwohnern, die allein zwischen 1980 und 2000 durch den Niedergang der Montanindustrie rund 30.000 Arbeitsplätze verloren hat, wolle man in erster Linie Arbeitsplätze schaffen – und gleichzeitig auch noch zum Klimaschutz beitragen. „Derzeit sind in den hier ansässigen Produktions- und Installationsbetrieben einige hundert Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Mit Weiland haben wir zum Beispiel auch einen Produzenten von Wärmepumpen, der ab Juni auch Solarkollektoren produzieren wird. In der Branche ist also noch viel Potenzial für die Schaffung von Arbeitsplätzen", meint Jung....
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