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Aschenputtel macht sich fein

www.impulse.de vom 29. Juni 2010

Stadt der 1000 Sonnen

[...] Nicht nur einzelne Orte wie die Zeche Zollverein haben ihr Gesicht verändert. Einst war das Ruhrgebiet Motor für die ganze Republik. Bis 1957 die Kohlekrise begann. Damals wurde es billiger, das schwarze Gold aus anderen Teilen der Welt zu importieren, zudem lief Erdöl der Kohle den Rang ab.

Erst starben die Bergwerke, dann, ab Mitte der 70er-Jahre, auch viele Eisenhütten und Stahlwerke. Um den Strukturwandel einzuleiten, bekam in den 90er-Jahren jede größere Stadt ihren Leuchtturm. Oberhausen eröffnete ein Technologiezentrum Umwelt und baute einen Gasometer zur höchsten Ausstellungshalle Europas um. Gelsenkirchen durfte sich als Solarstadt neu erfinden.

"Stadt der 1000 Feuer" nannten Einwohner ihre Heimat einst, wegen all der Gasfackeln auf den Kokereien. Mittlerweile nennt sich Gelsenkirchen "Stadt der 1000 Sonnen", nach den Solaranlagen, die man hier errichtete. Hunderte Arbeitsplätze wollten Politiker in der Zukunftsindustrie sichern. Als der Ölkonzern Shell hier die größte Solarzellenfabrik der Welt errichten ließ, war die Euphorie groß. Doch der Boom endete jäh: Shell verlor nach einem Vorstands- und Strategiewechsel das Interesse am Sonnenstrom und verkaufte die Fabrik.

Mittelständler wie Thomas Sandner aber sind noch da. Er ist Vorstandschef von Abakus Solar, einer Firma, die seit 1995 Solardächer und Fassaden plant. Aus fünf Arbeitsplätzen wurden 50, 30 davon in Gelsenkirchen. Abakus ist dem Standort bis heute treu geblieben.

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In Gelsenkirchen-Schaffrath entstand vor zwei Jahren die größte Fotovoltaikwohnsiedlung Deutschlands, Hauptbahnhof und Fußballarena bekamen bei der jüngsten Renovierung riesige Solarzellendächer spendiert. Und Abakus verdiente an der Modernisierung des Stadtbilds. Als die Stadt zum Finale der Internationalen Bauausstellung Emscher Park 1999 etliche Dächer und Fassaden mit Solarzellen verkleidete, plante und überwachte Abakus viele Baustellen. Dazu kommen dem Unternehmen bis heute die üppigen Zuschüsse für Privatleute zugute, die sich Zellen aufs Dach schrauben lassen.

"Wir haben schon bei der Gründung danach entschieden, wo wir am meisten Solaranlagen absetzen konnten. Und in Nordrhein-Westfalen gab es damals flächendeckend und sehr lange hohe Zuschüsse", sagt Sandner. Allein zwischen 1999 und 2006 beteiligte sich das Land NRW mit 640 Millionen Euro an 51?000 privaten Solarzellenprojekten. Und die großzügigen Subventionen wurden bis heute nicht eingestellt.

Die ersten Jahre arbeiteten die Abakus-Ingenieure im Gelsenkirchener Wissenschaftspark. Wo einst ein Gussstahlwerk die Luft verpestete, hat die Stadt den Grundstein für ihre Zukunft gesetzt: ein 300 Meter langer, spektakulärer Bau mit schräger Glasfassade und dem ersten Solarzellenkraftwerk Deutschlands auf dem Dach.

Hier haben sich Unternehmen aus jenen Bereichen angesiedelt, auf die man nun im Ruhrgebiet so viele Hoffnungen setzt: Informations- und Kommunikationstechnologien, Gesundheitswirtschaft, Solarenergie. Was die Förderung mit Milliardensummen von EU, Bund und Land gebracht hat, ist in Zahlen schwer zu messen. Klar ist: Konzerne wie Nokia oder Shell haben die Region trotz hoher Subventionen wieder verlassen. Andererseits stünde das Ruhrgebiet ohne die Hilfen angesichts der Probleme des Strukturwandels sicherlich schlechter da. Etliche Kommunen sind pleite. [...]


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