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Ein Ausrufezeichen für Erneuerbare Energien

Grundsteinlegung für zwei Windkraftanlagen auf der Halde Oberscholven. RAG hat bis zu 40 weitere Standorte im Visier

Halde der Zeche Scholven (Quelle LANUV NRW)

Mit der Grundsteinlegung für zwei Windkraftanlagen auf der Halde Oberscholven im Norden Gelsenkirchens hat für das Ruhrgebiet heute eine neue Phase seiner langen Geschichte als Energieregion begonnen. Hier investiert die ELE Scholven Wind GmbH zurzeit rund sechs Millionen Euro in die beiden Ökostrom-Kraftwerke mit zusammen 4,6 Megawatt (MW) Leistung. Für dieses Projekt gründete die Emscher Lippe Energie GmbH (ELE) gemeinsam mit der Essener Evonik-Tochter Mingas-Power GmbH eine eigene Gesellschaft - die ELE Scholven Wind GmbH.

Den Stromverbrauch einer Stadt mit 10.000 Einwohnern werden die beiden Windräder decken können, so ergiebig ist der Wind hoch oben über dem mittleren Ruhrgebiet. Und das soll erst der Anfang sein: „Diese Windkraftanlagen markieren den Auftakt für weitere ähnliche Aktivitäten in der Region“, erklärt Andreas Minke, Geschäftsführer der ELE Scholven Wind und der Mingas-Power. „Wenn man sich hier oben allein nur umschaut, sieht man schon, wie viele ähnliche Standorte noch zur Verfügung stehen könnten.“ Für das Geschäftsfeld Energie von Evonik sind die Renewable Aktivitäten eine wichtige und notwendige Ergänzung des bestehenden Portfolios mit einer hervorragenden Ausgangsposition für Wachstum. Minke bekräftigt für Evonik: „Den Bereich Windenergieerzeugung wollen wir weiter ausbauen.“ Wichtiger Partner für die ELE Scholven Wind in diesem und in den zukünftigen Projekten auf Revierhalden ist die RAG Aktiengesellschaft, denn sie ist nicht nur Eigentümerin der Halden, sondern bringt auch erhebliches Expertenwissen mit, wenn es darum geht, wie auf den Halden gebaut werden muss.

Gemeinsam mit der RAG hat man mit dem Bau dieser beiden Windkraftanlagen - den ersten dieser Größenordnung auf Halden des Ruhrgebietes - absolutes Neuland betreten. „Die Scholvener Windräder markieren einen Anfang und sind ein weithin sichtbares Zeichen für das Potenzial Erneuerbarer Energien, das die RAG auf ihren Flächen ausgemacht, bewertet und für ähnliche Projekte vorgesehen hat“, erläutert Walter Eilert, der die RAG-Aktivitäten im Bereich der Erneuerbaren Energien koordiniert. Insgesamt bis zu 40 Halden der Region eignen sich für eine Nutzung mit modernen Windkraftanlagen. Das hat eine aktuelle Untersuchung der RAG ergeben.

Die Scholvener Windräder werden bereits in wenigen Monaten ein Ausrufezeichen über das Emscher-Lippe-Land setzen, das selbst in 30 Kilometern Entfernung zu sehen sein wird. „Es ist gut für Gelsenkirchen, dass ein solches Signal für die gesamte Region von der Stadt der Zukunftsenergien ausgeht“, freut sich Oberbürgermeister Frank Baranowski. „Die Windkraftanlagen wird man aus allen Richtungen und von weit her sehen können. Wenn Sie jemand fragen sollte, wo denn diese neuen Windräder auf der Halde stehen, antworten Sie doch einfach: In Gelsenkirchen, der Stadt der Zukunftsenergien!“
Für die ELE, Energieunternehmen der Region und Anteilseigner der ELE Scholven Wind GmbH, ist das Windprojekt die größte Einzelinvestition im Bereich Ökostrom. Damit tragen die Windkraftanlagen echte Symbolkraft für die ELE und den Standort. „Schauen Sie sich um: Das Emscher-Lippe-Land ist grün - viel grüner als sein Ruf“, fordert ELE- Geschäftsführer Kurt Rommel die Gäste der heutigen Grundsteinlegung auf. „Die ELE will in Zukunft verstärkt ihren Teil dazu beitragen, auch die Energie für Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop Schritt für Schritt grüner zu machen. Auf dem Weg dahin sind diese Anlagen hier natürlich von großer Bedeutung und ist diese Grundsteinlegung heute ein wichtiger Meilenstein.“

120 Meter über dem Emscher-Lippe-Land soll in der nächsten Woche der Turmbau auf der Halde Oberscholven beginnen. Zwei Spezialkräne werden die bis zu 40 Tonnen schweren Betonringe passgenau übereinander stapeln. Millimeterarbeit für den Kranführer, der sich gerade bei stärkerem Wind auf integrierte Kameras und das Augenmaß seiner Kollegen verlassen muss. Die stehen auf einem umlaufenden Gerüst bereit, um die einzelnen Bauteile am Turm in Empfang zu nehmen. Absolute Schwindelfreiheit ist Voraussetzung, um am Ende in 100 Metern Höhe Generator und Rotoren zu installieren.

 

Doch bis es soweit ist, liegt bereits eine lange Reise hinter den Windkraftanlagen. 60 bis 80 Schwertransporter sind nötig, um die Einzelteile vom Auricher Hersteller Enercon in polizeilicher Begleitung nach Gelsenkirchen zu transportieren. Mitten in der Nacht beginnt dann der kniffligste Part für die Fahrer: Über schmale Schotterwege und enge Kurven müssen die Schwertransporter hinauf auf die Halde manövriert werden. „Der Standort auf der Halde ist von den Windverhältnissen perfekt, aber gleichzeitig eine echte logistische Herausforderung“, bestätigt Andreas Minke.

Die Windkraftanlagen werden die ersten auf einer Halde im Ruhrgebiet sein, sollen aber, wenn es nach den Plänen der ELE Scholven Wind und der RAG geht, schon bald nicht die einzigen bleiben. „Entscheidend ist dabei, dass wir für unsere Flächen und Ideen vor Ort den richtigen Partner finden“, betont Walter Eilert, der dabei im aktuellen Fall doppeltes Glück hatte: „ELE mit umfassender Kompetenz des örtlichen Versorgers und Mingas-Power mit fachlicher Expertise aus ähnlichen Projekten machen die Umsetzung erst möglich.“ Und das in der für Erneuerbare Energie typischen dezentralen Struktur, bei der die komplette Wertschöpfungskette in der Region erhalten bleibt. Deshalb planen die Projektpartner der Scholvener Windräder vielleicht auch schon bald ihr nächstes gemeinsames Wind-Projekt auf einer Halde.

Einige Fakten zu den zwei baugleichen Windkraftanlagen auf der Halde Oberscholven:

Hersteller der Anlagen:  ENERCON GmbH, Aurich
Typenbezeichnung: E-82 E2
Nennleistung: jeweils 2.300 kW
Gesamthöhe der Anlage: 139,38 m
Nabenhöhe: 98,38 m
Rotordurchmesser: 82 m
Blattlänge: 38,8 m
Drehrichtung: Uhrzeigersinn
Drehzahl: variabel, 6 - 18 U/min
Fundamenthöhe: 190 m ü. NN;
 120 m über Umgebung
Volumen des Betonfundamentes: 460 m3
Durchmesser des Fundamentes:  17,6 m
Durchmesser unterster Ring: 7,50 m
Fundamentverstärkungen durch insgesamt 312 Rüttelstopfsäulen von jeweils 12 m Tiefe mit insgesamt 1.650 t Kies.
Bei den vorbereitenden Erdarbeiten wurden insgesamt 21.000 t Material bewegt und mit rund 1.000 LKW-Ladungen abgefahren.

An der ELE Scholven Wind GmbH ist die Emscher Lippe Energie GmbH (ELE) mit 30 und Mingas-Power GmbH mit 70 Prozent beteiligt. Die ELE ist Regionalversorger für Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck, ein Unternehmen mit einer Mehrheitsbeteiligung der RWE Rhein-Westfalen Netz AG und starken kommunalen Gesellschaftern. Die Mingas-Power GmbH ist ein Unternehmen der Evonik Industries AG und der RWE Power AG. Mingas-Power GmbH ist Spezialist für die klima- und ressourcenschonende Nutzung von Grubengas aus aktiven und stillgelegten Bergwerken.

Die Halde Oberscholven am Nordrand von Gelsenkirchen im Stadtteil Scholven nahm zwischen 1966 und 1987 Bergematerial der Zechen Scholven, Bergmannsglück und Emscher-Lippe auf. Die abgestufte Tafelberghalde überragt ihre Umgebung um 140 Meter.

Quelle: ELE



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